Seit nun mehr als 80 Jahren wird in Delitzsch eine Sportart
gepflegt, die sich auszeichnet durch umfassende gesundheitsfördernde
körperliche Anforderungen. Sie gehört zu den fairsten
Sportarten überhaupt, auch wenn es im Wettkampf um
den Sieg geht, Wieviele Jugendliche und Erwachsene haben
hier den Weißen Sport ausgeübt, haben Freude
und Entspannung an der Jagd um den Tennisball gefunden und
auch in einer guten Gemeinschaft Anstand, Zuvorkommenheit
und Fairneß gepflegt! Es gibt keinen Zweifel an der
körperlichen und charakterlichen Bildung von Kindern
und Jugendlichen unter der sachkundigen Anleitung und dem
Vorbild der älteren Sportfreunde.
Wie war das damals, als die Sportanlage entstand und als
die Männer um den Zahnarzt, Herrn Edgar Schwerin darangingen,
den Tennisclub zu gründen? Wo sich heute die Tennisplätze
befinden, war noch um die Jahrhundertwende Wasser. Aus dem
Grundbuch des Delitzscher Amtsgerichtes von damals ist zu
entnehmen:
Gemeinde Delitzsch, Flur 5, Flurstück 2554/34, Wasser,
Stadtgraben, 1.11,86 ha wurde nach Band 62, Blatt 1740 des
Grundbuches, auf dem die Tennisplätze ein unvermessener
Teil sind, von Delitzsch übertragen.
Also dort, wo sich die Plätze befinden, war damals Wasser,
das dürfte zumindest bis 1904 der Fall gewesen sein.
Bekanntlich war der Teil des Stadtgrabens vom Halleschen Turm
bis zum Schloßbogen schon Ende des 17. Jahrhunderts
auf Geheiß der Herzoginwitwe Christiane verfüllt
worden. Aber von der Stadtmühle bis zum Schloß
war er noch vorhanden. Es ist bekannt, daß die Insassen
des damaligen Frauengefängnisses im Schloß hier
noch Waschwasser geschöpft haben. (Das Wasserwerk und
der Wasserturm wurden um 1902 erbaut.)
Der Beweis: 1904, 22. April: in der heutigen
Stadtverordnetensitzung wurde auch die Zufüllung des
kleinen Stadtgrabens beschlossen.
Offenbar handelte es sich um das Stück von der Stadtmühle
bis zur Schloßmauer.
Auf diesem Gelände also errichtete man die Tennisplätze.
Wir fanden in der Chronik (Handgeschriebene Niederschriften
der Stadtverwaltung - Kreismuseum Delitzsch) die folgende
Aussage:
Noch vor dem Beginn des 1. Weltkrieges hatte sich bereits
eine Tennisgesellschaft gebildet, deren Initiator und Führer
der Geschäftsleitung der Gesellschaft der Fabrikbesitzer
Max Härtel war. Dieser führte in der Eröffnung
der 2 Tennisplätze am 24. Mai 1914 aus, daß zur
Herstellung der zwei Tennisplätze außer einer großen
Menge Auffüllungsmaterial ungefähr 2000 Zentner
Steingruß und ungefähr 1000 Zentner Chausseeabzug
gebracht worden sind..
Was aus dieser ersten Tennisgesellschaft geworden ist, konnten
wir nicht feststellen. Es liegt die Vermutung nahe, daß
sich daraus der Tennisclub von 1921 gebildet hat. Freilich
muß man annehmen, daß die Ereignisse des 1. Weltkrieges
und die Nachkriegskrise auch wesentlichen Einfluß auf
das Sportgeschehen hatten. Aber 1921 bildete sich der Tennisclub.
Ein Beleg dafür ist der folgende Magistratsbeschluß:
28.10.1921: Der Magistrat hat beschlossen,
den Tennisplatz bis zum Jahre 1928 an die jetzige Pächterin
weiter zu verpachten mit der Bedingung, daß der Spielplatz
auch der Allgemeinheit zugänglich bleibt.
Halten wir fest: Gegründet wurde der heutige Tennisclub
Delitzsch im August 1921. Bereits im Herbst 1921 wurde offenbar
ein Turnier um die Stadtmeisterschaft auf beachtlichem Niveau
ausgetragen. Das kann aus der folgenden Aussage (Delitzscher
Zeitung v. 3,10.1922) geschlossen werden,
Am 7./8.10.1922 finden auf den Plätzen
am Delitzscher Schloß die Tennismeisterschaften statt.
Außer den besten Einheimischen spielen auch Spitzenkräfte
aus Halle, Leipzig und Zeitz. ... Bei den Herren wi rd allerdings
der Vorjahressieger, Herr Max Sulima, kaum bezwungen werden
können, der übrigens auch Meister der Provinz Sachsen
ist.
Herr E. Schwerin aus Delitzsch hat Außenseiterchancen.
Die Entscheidung bei den Damen dürfte zwischen Frau Krüger
aus Leipzig und der Einheimischen Hentze liegen.
In diesem Bericht wird also vom Vorjahressieger gesprochen,
das bedeutet, daß 1921 bereits ein Meisterschaftsturnier
stattfand. Obrigens schlugen sich die Delitzscher recht gut,
wie die Ergebnisse beweisen:
Herren: Schwerin und Stach belegten beide Platz 3 und 4.,
Damen: 1. Hentze, Delitzsch, 2. Werfe[, Delitzsch!
Das waren die Anfänge! Seit dieser Zeit hat der Tennisclub
eine äußerst wertvolle Arbeit geleistet. Der Initiator
der Clubgründung und selbst ein hervorragender Tennisspieler,
Herr Edgar Schwerin, hat den Hauptanteil daran, daß
dieser schöne Sport in Delitzsch seine Heimstatt fand.
Sein Schwiegersohn, Herr Ewald Schmidt, Vorsitzender des Vereinsvorstandes,
hat sich mit äußerster Einsatzbereitschaft und
Hingabe für die Belange des Tennissports in Delitzsch
verdient gemacht. Ihm gebührt für die nun schon
jahrelange gute Arbeit Achtung und Anerkennung.
Einige Schlaglichter sollen beweisen, wie der Club mit Problemen
und Schwierigkeiten fertig wurde und welche Erfolge an die
Fahnen des Clubs geheftet werden konnten.
- Der Tennisclub nahm in den Jahren seit seiner Gründung
eine gute Entwicklung. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft
finden wir im Adreßbuch von 1934 verzeichnet:
Delitzscher Tennisgesellschaft - Führer: Walter Bosselmann.
- Gemäß Befehle 124/126 der Sowjetischen Militäradministration
erfolgt die Auflösung des Tennis-Sportvereins Delitzsch.
Darüber geben die nachfolgenden Dokumente Aufschluß.
Rechtsträgernachweis: (Amtsgericht Delitzsch, 27.4.1951)
"Der Rat der Stadt Delitzsch ist mit Wirkung vom 1.
Januar 1951 zum Rechtsträger nachstehender gemäß
SMAD-Befehlen 124/126 vom 31.10.1945 sequestierten und konfiszierten,
in das Eigentum des Volkes übergegangenen Vermögenswerte
des Tennis-Sportvereins Delitzsch, Delitzsch am Wallgraben,
Sportanlage, bestellt. Der bisherige Treuhänder wird
mit Wirkung vom 31.12.1950 abberufen. Grundbuch: Laufende
Nr. 1 bei Amtsgericht Delitzsch, Gemeinde Delitzsch Band 29,
Blatt 926."
Dokumente zur Geschichte des Tennis-Sportvereins
Delitzsch
Kreisarchiv Delitzsch Akte 2463 (Staatliches Eigentum) Auflösung
von Vereinen, Rechtsträger 1946-1959.
7.9.1946 Der Landrat des
Kreises Delitzsch an den Bürgermeister Delitzsch als
Ortspolizeibehörde
Betr.: Auflösung des Tennis-Sportvereins Delitzsch -
Mit dem dortigen Bericht vom 4.9.46 hat der Wiederzulassungsantrag
des Tennissportvereins Delitzsch insofern seine Erledigung
gefunden, als der Verein von der Freien Deutschen Jugend übernommen
worden ist. Hiergegen ist nichts einzuwenden.
Da der Tennissportverein nach § 1 der Verordnung des
Herrn Präsidenten der Prov. Sachsen vom 22.5.46 aber
zu den Vereinen gehört, die aufzulösen sind, ersuche
ich, dem Vereinsvorsitzenden die Auflösung des Vereins
schriftlich bekanntzugeben, das gesamte Vereinsvermögen
zu beschlagnahmen und mit der Vermögensverwaltung den
Treuhänder Bintig zu beauftragen. Ob er die Höhe
des beschlagnahmten Vereinsvermögens ist mir innerhalb
10 Tagen zu berichten.
In dem Bericht ist anzugeben, wo die einzelnen Vermögenswerte
sich befinden. Ich bin damit einverstanden, daß die
beschlagnahmten Sportgeräte nach erfolgter Beschlagnahme
der Freien Deutschen Jugend zur Ausübung des Tennissportes
einstweilen leihweise zur Verfügung gestellt werden .....
Die Stadtverwaltung war pflichtgemäß damit einverstanden:
19.9.1946 Stadtverwaltung an den Landrat
Betr.: Auflösung des Tennissportvereins Delitzsch - Gegen
die endgültige Überlassung der in meinem Bericht
vom 14.d.M. genannten Baulichkeiten und Inventarstücke
des Tennissportvereins Delitzsch an die Sparte Tennis der
Freien Deutschen Jugend gemäß dem anliegenden Antrage
der Kreisieitung der Freien Deutschen Jugend vom 1 3.d.M.
bestehen hier keine Bedenken. (Pohle)
- Im Jahre 1947 wurden die Geschicke des
Tennissportes in Delitzsch durch den Sportfreund Enke als
Kreisspartenleiter wahrgenommen.
- Im Zusammenhang mit der Gründung der DDR und der Bildung
der Demokratischen Sportbewegung gehörte die Sparte Tennis
der Betriebssportgemeinschaft Traktor Delitzsch an.
- In dieser Zeit wurden hervorragende sportliche Erfolge
erzielt, die über die Grenzen von Stadt, Kreis und Bezirk
hinaus bekannt wurden. Aus den Reihen der Tennissportler gingen
die ehemaligen DDR-Meister KarlHeinz Sturm, Inge Fiebig und
Margret Kutzger hervor, um nur einige zu nennen.
Hervorzuheben sind die sehr freundschaftlichen sportlichen
Kontakte mit dem tschechischen Tennisclub Spartak TOS Zebrák
die bis auf den heutigen Tag fortgesetzt werden konnten, und
es ist sehr schön, daß die Sportfreunde aus Zebrák
Gäste des Jubiläumsturnieres sein werden. Zur Tradition
wurden auch Turniere der drei Städte Zinnowitz/Berlin/Delitzsch,
die weiter gepflegt werden.
Diese wenigen Beispiele zeigen, wie der Tennissport in Delitzsch
gepflegt wurde, und alle Gäste brachten zum Ausdruck,
daß die Tennisanlage an der Stadtmauer zu den schönsten
gehört, die sie kennen, und daß die Gastfreundschaft
und Sportkameradschaft der Delitzscher bekannt und geachtet
ist.
Nach der Wende konnte dann die Neugründung des Delitzscher
Tennisclubs 1921 erfolgen. Der Club fühlt sich der Tradition
von 1921 zutiefst verpflichtet. Unter dem 1 . Januar
1993 erfolgte der Eintrag in das Vereinsregister
beim Kreisgericht Delitzsch. Damit begann eine neue Etappe
der Entwicklung des Tennissportes in Delitzsch. Der Tradition
entsprechend wurde der Freizeitsport erweitert und zugleich
der leistungsorientierte Sport betont. Der Schwerpunkt wurde
auf die Ausbildung und Förderung des Nachwuchses gelegt.
Erste schöne Erfolge konnten erzielt werden: Die erste
Mädchenmannschaft der AK 1 (bis 18 Jahre) konnte 1992
die Mannschaftsmeisterschaft in Sachsen gewinnen. Es muß
hervorgehoben werden, daß die Betreuung der Kinder und
Jugendlichen durch die älteren Sportfreunde höchste
Achtung und Anerkennung verdient.
Mit Elan ging der in der Gründungsversammlung vom 13.11.1992
gewählte Vorstand an die Arbeit, um die bestehenden Bedingungen
zu verbessern. Dazu gehörten u. a. der käufliche
Erwerb der gesamten Tennisanlage, der Umbau des Klubhauses,
die Verbesserung der Spielflächen, der Um- und Ausbau
der Sanitäreinrichtungen. Der Verein wurde Mitglied im
Landessportbund Sachsen. Ein Talentestützpunkt wurde
geschaffen, und der Sportbetrieb auf der Tennisanlage an der
Stadtmauer nahm zu an Umfang und Qualität.
1993 hatte sich die Mitgliedschaft von 205
auf 302 Mitglieder erhöht. Erfolge blieben nicht aus.
Das gesellige Leben kam nicht zu kurz. Eine gepflegte Gastronomie
findet den Beifall der Mitglieder.
Auszug aus der Festbroschüre 75 Jahre Delitzscher
Tennisclub (Prof. Dr. Alfred Schirmer)
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